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Gas & akute Gefahr

Gasgeruch in Wohnung oder Stiegenhaus: Was Sie sofort tun – und unbedingt unterlassen sollten

Gasgeruch ist kein Fall für Fehlersuche oder einen gewöhnlichen Handwerkertermin. Der Leitfaden ordnet die offizielle Sicherheitsreihenfolge ein, erklärt typische gefährliche Reflexe und zeigt, welche Informationen erst von draußen an den Gasnotruf gehören.

Bewohner stehen nach wahrgenommenem Gasgeruch im Freien vor einem Wiener Wohnhaus und telefonieren draußen mit dem Störungsdienst
Telefonieren Sie bei Gasgeruch nicht im Gebäude: zuerst hinausgehen, Abstand halten und den Gasnotruf 128 erst im Freien verständigen.

Wenn es in einer Wohnung, im Keller oder im Stiegenhaus auffällig nach Gas riecht, ist die wichtigste Entscheidung nicht, woher der Geruch kommt. Entscheidend ist, keine mögliche Zündquelle zu erzeugen und alle Personen aus dem Gefahrenbereich zu bringen. Eine schnelle technische Eigenprüfung ist hier ausdrücklich die falsche Reaktion.

Die Wiener Netze nennen eine klare Reihenfolge: Fenster und Türen öffnen, offene Flammen löschen, keine elektrischen Geräte oder Schalter betätigen, den Gashahn nur bei sicherem Zugang schließen, das Gebäude verlassen und den Gasnotruf 128 von draußen anrufen. Diese Schritte sind kurz, doch unter Stress passieren genau an ihren Übergängen die gefährlichen Fehler.

Dieser Beitrag ersetzt keine Anweisung des Netzbetreibers und keine Gefahrenabwehr. Er hilft, die offiziellen Schritte im Voraus zu verstehen, damit im Ernstfall nicht erst im Stiegenhaus diskutiert, nach der Quelle gesucht oder mit dem Handy innerhalb des Gebäudes telefoniert wird.

Die erste Minute: Keine Diagnose, sondern Zündquellen vermeiden

Erdgas ist von sich aus geruchlos. Im Netz wird ein stark riechender Stoff zugesetzt, damit ein Austritt früh auffällt. Wer diesen Geruch wahrnimmt, kann weder Konzentration noch Ursache mit der Nase zuverlässig bestimmen. Ein schwacher Geruch ist deshalb keine Freigabe zum Abwarten, und ein starker Geruch ist kein Anlass, näher an Leitungen oder Geräte heranzugehen.

Elektrische Schalter, Klingeln, Steckverbindungen und Telefone können Schaltfunken erzeugen. Deshalb gilt: Licht so lassen, wie es gerade ist. Nichts ein- oder ausschalten. Auch nicht rasch die Sicherung betätigen und nicht im Raum telefonieren. Die vermeintlich hilfreiche Handlung kann genau das Risiko erhöhen, das vermieden werden muss.

Offene Flammen werden gelöscht, ohne weitere Geräte zu bedienen. Rauchen, Feuerzeuge und Streichhölzer sind selbstverständlich tabu. Danach geht es nicht um Ursachenforschung, sondern um Lüften und Verlassen.

  • Keine Lichtschalter, Steckdosen, Klingeln oder elektrischen Geräte bedienen.
  • Kein Telefonat und keine Nachricht innerhalb der betroffenen Wohnung oder des Stiegenhauses.
  • Keine Flamme verwenden, um eine vermeintliche Leckstelle zu suchen.
  • Keine Sicherung schalten und keinen Gerätestecker ziehen.

Lüften: Öffnen, was ohne Umweg erreichbar ist – aber nicht im Gebäude bleiben

Wiener Netze empfiehlt, Fenster und Türen zu öffnen und für Durchzug zu sorgen. Ziel ist, die mögliche Gaskonzentration zu verringern. Daraus folgt jedoch nicht, dass jede Person noch durch mehrere Räume gehen oder schwer erreichbare Fenster suchen sollte. Die eigene Sicherheit und ein kurzer Fluchtweg gehen vor.

Wer ein Fenster direkt und ohne zusätzliche Bedienhandlung erreicht, öffnet es von Hand. Elektrische Fensterantriebe, Lüfter oder Dunstabzugshauben werden nicht eingeschaltet. Danach verlassen alle Personen die Wohnung beziehungsweise das Haus. Ein offenes Fenster ist keine Begründung, im Gebäude auf den Störungsdienst zu warten.

  • Fenster und Türen nur manuell und ohne riskanten Umweg öffnen.
  • Keine elektrisch betriebenen Lüftungsgeräte starten.
  • Kinder, ältere Menschen und hilfsbedürftige Personen zuerst nach draußen begleiten.
  • Nicht zurückgehen, um weitere Fenster zu öffnen oder Gegenstände zu holen.

Gashahn schließen: Nur wenn er bekannt und gefahrlos zugänglich ist

Die offizielle Empfehlung umfasst auch das Schließen des Gashahns, wenn Zugang besteht. Das ist keine Aufforderung, Leitungen zu verfolgen, Verkleidungen zu öffnen oder in einen Keller mit starkem Geruch hinabzugehen. Wer den Absperrhahn kennt und ihn auf dem direkten sicheren Weg von Hand erreicht, kann ihn schließen. Wer suchen müsste, lässt es bleiben und verlässt den Bereich.

Nach dem Schließen wird die Anlage nicht selbst wieder in Betrieb genommen. Weder ein Heizgerät noch ein Herd wird probeweise gezündet. Die Freigabe gehört zum zuständigen Störungsdienst beziehungsweise zu befugten Fachleuten nach Prüfung der Ursache.

Der Anruf erfolgt erst draußen: Gasnotruf 128

Erst außerhalb des Gebäudes wird telefoniert. Für Gasgeruch nennen die Wiener Netze den Gasnotruf 128; die Nummer ist von 0 bis 24 Uhr erreichbar. Dieser Anruf ist etwas anderes als eine gewöhnliche Terminvereinbarung mit einem Installationsbetrieb. Zuerst muss der zuständige Netz- und Störungsdienst die Gefahrenlage einordnen.

Nennen Sie ruhig die genaue Adresse, wo der Geruch wahrgenommen wurde, ob er in Wohnung, Stiegenhaus, Keller oder im Freien auffiel und ob Menschen das Gebäude bereits verlassen haben. Beschreiben Sie nur Beobachtungen. Vermutungen wie 'sicher nur der Herd' helfen weniger als klare Angaben zu Ort und Zeitpunkt.

Bei unmittelbarer Gefahr für Menschen, Feuer, Rauch oder medizinischen Beschwerden ist zusätzlich der allgemeine Notruf zu verständigen. Folgen Sie den Anweisungen der Leitstelle und bleiben Sie außerhalb des abgesperrten Bereichs.

  • Adresse und betroffenen Gebäudeteil nennen.
  • Zeitpunkt und wahrgenommenen Bereich beschreiben.
  • Mitteilen, ob Personen das Gebäude verlassen haben.
  • Auf Rückfragen warten und Anweisungen des Störungsdienstes befolgen.

Im Mehrparteienhaus: Warnen, ohne Klingel oder Gegensprechanlage zu benutzen

Im Stiegenhaus entsteht ein organisatorisches Problem: Andere Bewohner sollen gewarnt werden, gleichzeitig dürfen elektrische Klingeln oder Gegensprechanlagen nicht bedient werden. Rufen oder deutliches Klopfen von Hand kann sinnvoll sein, sofern dadurch keine Verzögerung oder Eigengefährdung entsteht. Niemand sollte Stockwerk für Stockwerk nach einer vermeintlichen Quelle suchen.

Hausverwaltung oder Eigentümer werden erst aus sicherer Entfernung informiert. Sie ersetzen den Gasnotruf nicht. Auch ein Haustechniker, Hausmeister oder privater Handwerker ist nicht die erste Adresse, wenn aktuell Gasgeruch wahrgenommen wird. Die Reihenfolge lautet Gefahrenbereich verlassen, Gasnotruf verständigen, weitere Organisation danach.

Typische Fehlreaktionen, die plausibel wirken, aber riskant sind

Viele Fehler entstehen aus dem Wunsch, besonders gründlich zu sein. Jemand fotografiert den Gaszähler mit dem Handy, schaltet im dunklen Keller das Licht ein, zieht den Stecker eines verdächtigen Geräts oder startet den Dunstabzug. Jede dieser Handlungen kann einen elektrischen Schaltvorgang auslösen. Dokumentation ist in diesem Moment zweitrangig.

Ebenso ungeeignet sind Geruchstests direkt an Anschlüssen, Lecksuchsprays durch Laien oder das Öffnen eines Geräts. Auch wenn der Geruch nach dem Lüften schwächer wird, bleibt die fachliche Prüfung notwendig. Die Nase kann keine Dichtheitsprüfung ersetzen.

Ein weiterer Irrtum ist, den Fall als normalen Handwerker-Notdienst zu behandeln und mehrere Betriebe aus der Wohnung heraus anzurufen. Bei aktuellem Gasgeruch gilt zuerst die offizielle Störungskette. Preisvergleich und Reparaturplanung gehören erst in die Phase nach der Sicherung.

  • Keine Fotos oder Videos im Gebäude aufnehmen.
  • Nicht an Gasleitungen, Zähler oder Geräte herantreten, um den Geruch zu lokalisieren.
  • Kein Lecksuchmittel oder Werkzeug einsetzen.
  • Nicht zurückkehren, nur weil der Geruch draußen nicht mehr wahrnehmbar ist.

Gasgeruch ist nicht dasselbe wie Kohlenmonoxid

Der zugesetzte Geruchsstoff macht austretendes Erdgas bemerkbar. Kohlenmonoxid dagegen ist farb- und geruchlos und kann bei unvollständiger Verbrennung entstehen. Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit oder Benommenheit in Verbindung mit einer Feuerstätte sind deshalb ein medizinischer Warnhinweis, auch wenn kein typischer Gasgeruch vorhanden ist.

Bei solchen Beschwerden verlassen Betroffene den Bereich, bringen andere nicht durch unnötiges Verweilen in Gefahr und verständigen im Freien den Rettungsnotruf. Ein CO-Melder kann warnen, ersetzt aber weder Wartung noch fachliche Prüfung. Gasgeruch und CO-Verdacht haben unterschiedliche Wahrnehmung, gemeinsam ist ihnen die klare Grenze gegen Eigenreparaturen.

Nach der Sicherung: Erst Freigabe, dann organisatorische Schritte

Nach dem Einsatz sollte eindeutig geklärt sein, welche Bereiche oder Geräte gesperrt bleiben und wer die weitere Prüfung beziehungsweise Reparatur übernimmt. Eine geschlossene Absperrung wird nicht eigenmächtig wieder geöffnet. Fragen Sie nach, ob ein befugter Installationsbetrieb, Geräte-Kundendienst, Eigentümer oder die Hausverwaltung den nächsten Schritt koordinieren muss.

Erst jetzt sind Fotos, Notizen und Terminabsprachen sinnvoll. Dokumentieren Sie, wann der Geruch bemerkt, wann 128 angerufen und welche Anweisung erteilt wurde. Diese Nachbereitung darf nie dazu führen, dass jemand für Bilder erneut einen nicht freigegebenen Bereich betritt. Sicherheit bleibt wichtiger als eine vollständige Akte.

Fragen zum Thema

Darf ich bei Gasgeruch das Licht ausschalten?

Nein. Lassen Sie elektrische Schalter unverändert, weil bereits das Schalten einen Funken erzeugen kann. Öffnen Sie erreichbare Fenster manuell, verlassen Sie das Gebäude und telefonieren Sie erst draußen.

Wo rufe ich bei Gasgeruch in Österreich an?

Die Wiener Netze nennen für Gasgeruch den Gasnotruf 128. Wählen Sie die Nummer erst außerhalb des betroffenen Gebäudes. Bei Feuer, unmittelbarer Lebensgefahr oder Beschwerden folgen zusätzlich die allgemeinen Notrufwege.

Soll ich den Gashahn selbst zudrehen?

Nur wenn Sie den Hahn kennen und ohne Suche oder Gefährdung direkt erreichen. Gehen Sie nicht in stark riechende Keller oder öffnen Sie Verkleidungen. Verlassen Sie im Zweifel sofort den Bereich und folgen Sie den Anweisungen des Gasnotrufs.

Kann ich im Stiegenhaus die Nachbarn anläuten?

Elektrische Klingeln und Gegensprechanlagen sollen nicht benutzt werden. Warnen Sie nur ohne elektrische Bedienung und ohne sich aufzuhalten oder selbst zu gefährden. Informieren Sie den Gasnotruf über das Mehrparteienhaus.

Darf ich wieder hinein, wenn der Geruch nach dem Lüften weg ist?

Nicht ohne Freigabe. Lüften kann den Geruch abschwächen, beweist aber nicht, dass die Ursache beseitigt ist. Warten Sie außerhalb und befolgen Sie die Anweisung des zuständigen Störungsdienstes.

Riecht man Kohlenmonoxid genauso wie Gas?

Nein. Kohlenmonoxid ist geruchlos. Beschwerden wie Kopfschmerz, Schwindel oder Übelkeit in Verbindung mit einer Feuerstätte sind ein eigener Notfallhinweis; verlassen Sie den Bereich und verständigen Sie im Freien den Rettungsdienst.

Quellen und weiterführende Hinweise

Bewertungen

Kundenstimmen zur PR Installationstechnik

122 Bewertungen · 4,8 Bewertung

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Josef Hinteregger

1040 Wien

★★★★★ vor 3 Tagen

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Sepp Gruber

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